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Von der Co­ro­na­-­Kri­se zur nach­hal­ti­gen Wirt­schaft

10. Juni 2020 12:00

Reinhard Loske Bild Prof. Dr. Reinhard Loske
Prof. Dr. Rein­hard Los­ke, Prä­si­dent der Cu­sa­nus Hoch­schu­le für Ge­sell­schafts­ge­stal­tung, dis­ku­tiert in die­sem Bei­trag, was zu­kunfts­o­ri­en­tier­te Po­li­tik nun leis­ten muss.
Die­ser Bei­trag ist ur­sprüng­lich bei "A­go­ra42.­de - das phi­lo­so­phi­sche Wirt­schafts­ma­ga­zin" er­schie­nen.

Spricht man die­ser Ta­ge mit Men­schen, de­nen Kli­ma­schutz und um­fas­sen­de Nach­hal­tig­keit als zen­tra­le Her­aus­for­de­run­gen be­son­ders am Her­zen lie­gen, be­geg­nen ei­nem nicht sel­ten sor­gen­vol­le Mie­nen und düs­te­re Pro­gno­sen. Wenn die Co­ro­na­-­Pan­de­mie erst un­ter Kon­trol­le sei, wer­de die Po­li­tik wie­der al­les dar­an­set­zen, das res­sour­cen­ver­schlin­gen­de Wirt­schafts­wachs­tum auf je­de nur er­denk­li­che Wei­se an­zu­kur­beln. Da­bei droh­ten öko­lo­gi­sche Zie­le ein­mal mehr un­ter die Rä­der zu kom­men, so wie schon nach der Fi­nanz­kri­se 2008.

Man kann die­se Be­fürch­tung he­gen. Sie ist nicht aus der Luft ge­grif­fen. Schon mel­den sich ge­gen al­le Ver­nunft wie­der Prot­ago­nis­ten, die ei­ne kli­ma­po­li­ti­sche Atem­pau­se, das Ab­schwä­chen von Re­geln für Luft­rein­hal­tung, Na­tur- und Was­ser­schutz oder die Aus­set­zung von Bür­ger­be­tei­li­gungs­rech­ten bei Um­welt­ein­grif­fen vor­schla­gen, da­mit die Kon­junk­tur nach der Kri­se schnell wie­der „an­sprin­gen“ und dann „brum­men“ kann. Ganz vor­ne da­bei wie im­mer Lob­by­is­ten und Po­pu­lis­ten.

Den­noch be­geg­net ei­nem der­zeit in öko­lo­gisch ori­en­tier­ten Krei­sen auch ei­ne an­de­re Hal­tung, ei­ne eher hoff­nungs­vol­le. Durch­aus vie­le glau­ben, dass in der Co­ro­na­-­Kri­se ne­ben all dem mensch­li­chen Leid und den viel­fäl­ti­gen Be­schrän­kun­gen im All­tag ge­ra­de für ei­ne Po­li­tik der Zu­kunfts­fä­hig­keit auch gro­ße Chan­cen lie­gen.

Die Ein­schät­zung hier: Die­se Kri­se ist ei­ne Zä­sur. Sie teilt die Zeit in ein „Da­vor“ und ein „Da­nach“. Durch sie wird so viel öko­lo­gisch Frag­wür­di­ges of­fen­ge­leg­t, dass Kon­se­quen­zen fol­gen müs­sen und wer­den. Je­der Wach­sa­me kön­ne doch nun se­hen, wo­hin uns die Miss­ach­tung von Na­tur­gren­zen, Hy­permo­bi­li­tät und end­los lan­ge Lie­fer­ket­ten ge­führt ha­ben­:  in mehr Ver­letz­bar­keit und we­ni­ger Kri­sen­fes­tig­keit, mehr Ab­hän­gig­keit und we­ni­ger Ro­bust­heit.

Das sind star­ke Ar­gu­men­te. Wahr ist aber zu­gleich, dass es kei­nes­wegs einen Au­to­ma­tis­mus gib­t, der wie von selbst im Ge­fol­ge der Kri­se nach­hal­ti­ge­re Le­bens­sti­le, Wirt­schaft­s­prak­ti­ken und Tech­no­lo­gi­en her­vor­bring­t. Vie­le wer­den ih­re Welt­sicht durch die Co­ro­na­-­Er­schüt­te­rung und den Blick in den Ab­grund mög­li­cher­wei­se än­dern, aber wir wer­den des­halb kei­ne „neu­en“ Men­schen sein. Es wird auch in Zu­kunft Ei­gen­nutz und Ge­mein­sinn, Wett­be­werb und Ko­ope­ra­ti­on ge­ben. Und auch in Zu­kunft wird die Auf­ga­be de­mo­kra­ti­scher Po­li­tik dar­in be­ste­hen, bei der prak­ti­schen Ge­stal­tung un­se­res ge­sell­schaft­li­chen Zu­sam­men­le­bens die­se ver­schie­de­nen Ori­en­tie­run­gen in einen Aus­gleich zu brin­gen.

Die Epo­che sys­te­ma­ti­scher Ent­staat­li­chung und De­re­gu­lie­rung geht zu En­de

Ei­nes deu­tet sich schon jetzt an: Die po­li­ti­sche Grund­aus­rich­tung wird ei­ne an­de­re sein als die bis­he­ri­ge, die vor al­lem auf die Öko­no­mi­sie­rung im­mer wei­te­rer Sphä­ren der Ge­sell­schaft ge­setzt hat, vom Kran­ken­h­aus­we­sen über die Bil­dung bis zum Kli­ma­schutz. Die Sicht, scha­r­fer Wett­be­werb und ver­tief­te Ar­beits­tei­lung im Welt­maß­stab so­wie sys­te­ma­ti­sche Ent­staat­li­chung und größt­mög­li­che De­re­gu­lie­rung sei­en die wirt­schafts­po­li­ti­schen Schlüs­sel zur Wohl­stands­meh­rung, wird wei­ter un­ter Druck ge­ra­ten, we­sent­lich stär­ker als nach der Fi­nanz­kri­se. Es mag ver­früht sein, von der „Co­ro­na­-­Däm­me­rung des Neo­li­be­ra­lis­mus“ (Ul­ri­ke Herr­mann) zu spre­chen, ei­ne Er­schüt­te­rung in des­sen Grund­fes­ten ist die Kri­se aber in je­dem Fall.

Zu­gleich gil­t: Zwar hal­ten sich die po­li­tisch ein­fluss­rei­chen Prot­ago­nis­ten des Neo­li­be­ra­lis­mus mo­men­tan mit Rat­schlä­gen zu­rück, aber es ist nur ein tem­po­rä­res und tak­ti­sches Ab­tau­chen. Sie sind klug ge­nug, um zu wis­sen, dass es mo­men­tan kei­ne gu­te Idee wä­re, die wei­te­re Schwä­chung staat­li­cher Hand­lungs­fä­hig­keit zu pro­pa­gie­ren oder die The­se zu be­kräf­ti­gen, der zu­fol­ge es so et­was wie „die Ge­sell­schaft gar nicht gib­t, son­dern nur in­di­vi­du­el­le Men­schen.“ (Mar­ga­ret That­cher). Aber hin­ter den Ku­lis­sen wird mit Elan für die Zeit nach der Kri­se ge­ar­bei­tet, um vor­be­rei­tet zu sein, wenn die Er­war­tun­gen der Ge­sell­schaft an den Staat über­bor­den und ihn mög­li­cher­wei­se über­for­dern wer­den. Man hofft, dass der Schlacht­ruf „Der Staat kann es nicht“ dann wie­der auf frucht­ba­ren Bo­den fäll­t.

Es ist je­den­falls re­a­lis­tisch, da­von aus­zu­ge­hen, dass es schon wäh­rend der Kri­se, erst recht aber da­nach zu ei­nem Kampf um ih­re Deu­tung und die rich­ti­gen We­ge zu ih­rer Über­win­dung kom­men wird. In die­se Aus­ein­an­der­set­zung müs­sen die­je­ni­gen, die für Nach­hal­tig­keit, Öko­lo­gie und glo­ba­le Ge­rech­tig­keit strei­ten, mit gu­ten Ar­gu­men­ten, gu­ten Ge­stal­tungs­kon­zep­ten und gu­ten Durch­set­zungs­stra­te­gi­en ge­hen.

Evi­denz­ba­sie­rung und Hand­lungs­kon­se­quenz müs­sen in Zu­kunft auch die Nach­hal­tig­keits­po­li­tik prä­gen

Schaut man aus ei­ner öko­lo­gi­schen Per­spek­ti­ve auf die an­hal­ten­de Co­ro­na­-­Kri­se und ih­re Be­kämp­fung, sticht vor al­lem die Schnel­lig­keit der Re­ak­ti­o­nen des Po­li­tik­sys­tems und in der Fol­ge auch des Na­tur­sys­tems ins Au­ge. Die Er­rei­chung des deut­schen Kli­ma­ziels für 2020 (mi­nus 40 Pro­zent CO2­-­E­mis­si­o­nen ge­gen­über 1990) schien noch im Fe­bru­ar völ­lig aus­ge­schlos­sen, nun wird das Ziel durch die Co­ro­na­-­Kri­se wahr­schein­lich so­gar über­er­füll­t. Laut Um­welt­bun­des­amt könn­ten es En­de des Jah­res mi­nus 45 Pro­zent sein. Über Wu­han, dem Epi­zen­trum der Kri­se in China, sind die Stick­oxid­kon­zen­tra­ti­o­nen in der Luft kurz­fris­tig so dras­tisch ge­fal­len, dass der Ef­fekt in Sa­tel­li­ten­bil­dern der NA­SA deut­lich zu er­ken­nen wa­r. Und im tou­ris­mus­frei­en Ve­ne­dig ist das Was­ser der Ka­nä­le so klar wie lan­ge nicht mehr.

Si­cher, all die­se Ef­fek­te sind nicht das Er­geb­nis um­welt­po­li­ti­schen Han­delns, son­dern Ne­ben­ef­fek­te ei­ner Vi­rus­be­kämp­fung mit ho­her Ein­griffs­tie­fe. Die Maß­nah­men sind im ei­gent­li­chen Wort­s­inn nicht nach­hal­tig. Es wä­re auch tö­richt, im Prin­zip „Um­welt­schutz durch kol­lek­ti­ven Shut­dow­n“ ei­ne ech­te Lö­sung zu se­hen. Dies wür­de am En­de nur Was­ser auf die Müh­len de­rer len­ken, die uns weis­ma­chen wol­len, man ha­be sich eben zwi­schen Öko­lo­gie und Öko­no­mie, Na­tur­schutz und Wirt­schafts­schutz zu ent­schei­den. Bei­des gleich­zei­tig sei nun ein­mal nicht zu ha­ben.

Den­noch ist die Leh­re aus der Be­gleit­er­schei­nung die­ses Shut­downs grund­sätz­li­cher Ar­t.  Die Na­tur re­a­giert sehr schnell und ge­nerös, wenn über­mä­ßi­ger Nut­zungs­druck durch die Men­schen von ihr ge­nom­men wird. Auch das kann Hoff­nung ge­ben.

Vie­le öko­lo­gisch be­weg­te Men­schen fra­gen sich des­halb, war­um bei der Be­kämp­fung der Co­ro­na­-­Pan­de­mie mög­lich ist, was bei auf Dau­er we­sent­lich be­droh­li­che­ren Pro­ble­men wie der Er­d­er­wär­mung oder der Zer­stö­rung der bio­lo­gi­schen Viel­falt bis­lang nicht ge­schieht, näm­lich kon­se­quen­tes Han­deln. Im Ge­gen­teil, noch die kleins­ten Emp­feh­lun­gen zum Woh­le von Kli­ma und Na­tur wer­den in Deut­sch­land oft so dis­ku­tier­t, als eb­ne­ten sie den di­rek­ten Weg in die Öko­dik­ta­tur, vom Tem­po­li­mit 120 auf Au­to­bah­nen über mi­ni­ma­le Öko­steu­ern bis zum frei­wil­li­gen Fleisch­ver­zicht an ei­nem Tag in der Wo­che. Vie­le die­ser Kul­tur­kämp­fe wir­ken mitt­ler­wei­le nur noch gro­tes­k.

Po­li­ti­scher Mut wird im Ernst­fall nicht be­straf­t, son­dern be­lohnt

Und auch ei­ne wei­te­re Mär fällt die­ser Ta­ge, näm­lich die Be­haup­tung, Po­li­tik wer­de ab­ge­straf­t, wenn sie den Men­schen har­te Fak­ten zu­mu­te und ihr Han­deln auf eben die­se stüt­ze. Noch im Sep­tem­ber letz­ten Jah­res fiel bei der Prä­sen­ta­ti­on des be­schei­de­n­en Kli­ma­pa­kets der Bun­des­re­gie­rung von Kanz­le­rin Mer­kel der denk­wür­di­ge Satz, Po­li­tik sei nun ein­mal das, was mög­lich ist. Kein hal­b­es Jahr spä­ter be­treibt die glei­che Bun­des­re­gie­rung nun in der Co­ro­na­-­Kri­se ei­ne wis­sen­schafts­ge­stütz­te Po­li­tik der scho­nungs­lo­sen Wahr­hei­ten, Ein­schrän­kun­gen und Zu­mu­tun­gen – und 95 Pro­zent der Be­völ­ke­rung fin­den die­se ge­nau rich­tig oder for­dern noch här­te­re Maß­nah­men (ZD­F­-­Po­lit­ba­ro­me­ter vom 27. März).

Nun las­sen sich si­cher Grün­de da­für fin­den, war­um fun­da­men­ta­le Re­strik­ti­o­nen in der Co­ro­na­-­Kri­se eher ak­zep­tiert wer­den als bei der Be­kämp­fung der Kli­ma­kri­se: Die Angst vor Vi­ren, die schnell tö­ten kön­nen, ist of­fen­bar deut­lich grö­ßer als die Angst vor Er­d­er­wär­mung und Ar­ten­schwun­d, de­ren Fol­gen schlei­chen­der sin­d. Auch hat der Lob­by­is­mus bei lang­fris­ti­gen Pro­ble­men wie dem Kli­ma­wan­del leich­te­res Spiel, auf al­len Stre­cken ge­gen ent­schie­de­nes Han­deln zu ar­bei­ten: vom Sä­en na­tur­wis­sen­schaft­li­cher Zwei­fel über das Be­feu­ern öko­no­mi­scher Nie­der­gangs­-­S­ze­na­ri­en bis zur Mo­bi­li­sie­rung po­pu­lis­ti­scher Ge­gen­kräf­te.

Es bleibt den­noch frap­pie­ren­d, dass im Co­ro­na­-­Fall kon­se­quent, im Kli­ma­-­Fall in­kon­se­quent ge­han­delt wird, ob­wohl die wis­sen­schaft­li­che Evi­denz in bei­den Fäl­len sehr hoch ist und sich in Um­fra­gen auch für vor­sor­gen­den Kli­ma­schutz ähn­li­che Zu­stim­mungs­wer­te er­ge­ben wie für die ri­go­ro­se Be­kämp­fung der Pan­de­mie. Dar­aus kann ei­gent­lich nur der Schluss ge­zo­gen wer­den, dass die Zag­haf­tig­keit von kli­ma­po­li­ti­schem Re­gie­rungs­han­deln vor al­lem das Er­geb­nis von all­zu viel Rück­sicht­nah­me auf mäch­ti­ge und nicht­-­nach­hal­ti­ge Ge­gen­warts­in­ter­es­sen war und ist, vor al­lem auf In­dus­trie­in­ter­es­sen.

Als Leh­re aus der Co­ro­na­-­Kri­se folgt des­halb, dass auch die Kli­ma­po­li­tik zu­künf­tig stär­ker evi­denz­ba­siert han­deln muss und ge­gen­über Par­ti­ku­la­r­in­ter­es­sen ei­ne ver­meint­lich alt­mo­di­sche Ka­te­go­rie re­ak­ti­vie­ren soll­te, näm­lich po­li­ti­schen Mut, der Kon­flikt­fä­hig­keit und Stand­fes­tig­keit in der Sa­che ein­schließt. Zu­mu­tun­gen, die nach­voll­zieh­bar und gut be­grün­det sin­d, sind für po­li­ti­sche Ent­schei­dungs­trä­ger nicht ri­si­ko­frei, wer­den aber von viel mehr Men­schen ak­zep­tiert als im Haupt­strom der Po­li­tik an­ge­nom­men oder vor­ge­ge­ben wird.

Pan­de­mie­be­kämp­fung und Nach­hal­tig­keit er­for­dern einen neu­en Ge­ne­ra­ti­o­nen­ver­trag: Jun­ge und Al­te sind auf­ein­an­der an­ge­wie­sen

Ei­ne Po­li­tik der Zu­kunfts­fä­hig­keit braucht al­so Trau­te. Da­bei kommt ihr die ge­gen­wär­ti­ge Dis­kus­si­on über Ge­ne­ra­ti­o­nen­ge­rech­tig­keit und wech­sel­sei­ti­gen Ge­ne­ra­ti­o­nen­re­spekt durch­aus zu­gu­te. Was wir in der Co­ro­na­-­Kri­se er­le­ben, ist ja ei­ne in­ter­es­san­te Um­kehr des öf­fent­li­chen Spre­chens über in­ter­ge­ne­ra­ti­ve Rück­sicht­nah­men: Ist die Kli­ma­de­bat­te da­von ge­präg­t, Äl­te­re und be­son­ders die „Ba­by­boo­mer“ zur Rück­sicht auf die Über­le­bens­in­ter­es­sen jun­ger Men­schen und zu­künf­ti­ger Ge­ne­ra­ti­o­nen an­zu­hal­ten, geht es in der Co­ro­na­-­De­bat­te um das ge­ra­de Ge­gen­teil: Jun­ge Men­schen sol­len sich be­schrän­ken, um die Äl­te­ren nicht durch un­kon­trol­lier­te Vi­ren­aus­brei­tung zu ge­fähr­den.

Bis­lang – Stand En­de März – kann man oh­ne wei­te­res sa­gen, dass die „Ge­ne­ra­ti­on Gre­ta“ ih­re Missi­on er­füll­t. Sie bleibt zu­hau­se, sie hilft, sie hält sich an die Re­geln. Ab­fäl­li­ge Be­mer­kun­gen über „die Al­ten“ hört man kaum, im Ge­gen­teil, sie sind ge­äch­tet. Wo sie den­noch auf­tre­ten, wer­den sie von ei­ner Wel­le der Hilfs­be­reit­schaft im Klei­nen wie im Gro­ßen an den Rand ge­dräng­t.

All das muss und wird Fol­gen für die Po­li­tik ha­ben. Sie hat sich, für al­tern­de Ge­sell­schaf­ten nicht un­ty­pisch, in der Ver­gan­gen­heit sehr stark an den ver­meint­li­chen In­ter­es­sen der Äl­te­ren aus­ge­rich­tet, die oft um das The­ma Si­cher­heit krei­sen, von der Ren­ten­si­cher­heit über die öf­fent­li­che Si­cher­heit bis zur Si­cher­heit der Gren­zen. Die­se In­ter­es­sen sind le­gi­tim, aber sie ha­ben in der Ver­gan­gen­heit wich­ti­ge Zu­kunfts­the­men wie Kli­ma­schutz, Nach­hal­tig­keit, Bil­dung und Di­gi­ta­li­sie­rung doch oft an den Rand ge­dräng­t.

Es ist not­wen­dig, den Ge­ne­ra­ti­o­nen­ver­trag der Ge­sell­schaft nach der Kri­se neu zu jus­tie­ren und den Zu­kunfts­the­men das Ge­wicht ein­zu­räu­men, das ih­nen ge­bühr­t. Von der Ener­gie­wen­de über die Ver­kehrs­wen­de bis zur Agra­r­wen­de, von der Di­gi­tal­stra­te­gie über die For­schungs­för­de­rung bis zur Bil­dungs­fi­nan­zie­rung ha­ben EU, Bun­des­re­gie­rung, Lan­des­re­gie­run­gen und Kom­mu­nen jetzt die Chan­ce, Nach­hal­tig­keit sys­te­ma­tisch und an­spruchs­voll in al­le Po­li­tik­fel­der zu in­te­grie­ren.

Da­für, dass das wirk­lich ge­schieht, steht das Fens­ter der Mög­lich­kei­ten jetzt weit auf. Der „Green De­a­l“ der EU von Ur­su­la von der Leyen muss schnell in die Tat um­ge­setzt und fi­nan­zi­ell noch bes­ser aus­ge­stat­tet wer­den. Die ge­plan­ten Kon­junk­tur­pro­gram­me müs­sen zu „Green Sti­mu­lus“­-­Pa­ke­ten wer­den, die wirk­li­chen Struk­tur­wan­del in Rich­tung Nach­hal­tig­keit be­för­dern und nicht Über­kom­me­nes künst­lich am Le­ben hal­ten. Ab­sur­di­tä­ten wie „Ab­wrack­prä­mi­en“ für voll funk­ti­ons­fä­hi­ge Au­tos oder sinn­lo­se Stra­ßen­bau­pro­gram­me, die noch das Kon­junk­tur­pa­ket der Bun­des­re­gie­rung nach der Fi­nanz­kri­se ge­prägt ha­ben, darf es nicht mehr ge­ben.

Nach­hal­ti­ges Wirt­schaf­ten nach der Co­ro­na­-­Kri­se: Glo­ba­li­sie­rungs­rü­ck­bau, Re­gi­o­na­li­sie­rung der Wert­schöp­fung und Re­si­li­enz als neue Leit­bil­der

In gro­ßen Tei­len der Kli­ma­be­we­gung wird „die Wirt­schaft“ bis­lang als „Black­box“ ge­se­hen, als das „An­de­re“, ja Ge­sell­schafts­feind­li­che. Vor dem Hin­ter­grund der re­a­len Er­fah­run­gen mit vie­len In­dus­trie­kon­zer­nen und Wirt­schafts­ver­bän­den ist ei­ne sol­che Hal­tung nach­voll­zieh­ba­r. Aber sie ist nicht sinn­voll. Als Ge­sell­schaft kön­nen wir sie uns nicht leis­ten. Zu wich­tig ist die Wirt­schaft für un­se­re Ver­sor­gung mit dem Le­bens­not­wen­di­gen und das Funk­tio­nie­ren des Ge­mein­we­sens. Aber klar ist auch: Die Wirt­schaft wird und muss sich än­dern. Je mehr Men­schen sie als Teil ei­ner Auf­ga­be be­grei­fen, die mit Ge­sell­schafts­ge­stal­tung gut be­schrie­ben ist und Ge­mein­sinn er­for­der­t, des­to bes­ser ist es für al­le, auch für die meis­ten Un­ter­neh­men selbst.

Der Mo­dus, in dem wir künf­tig über das Wirt­schaf­ten und plu­ra­le Wirt­schafts­s­ti­le re­den, wird sich än­dern müs­sen. Vor al­lem die öko­no­mi­sche Bil­dung, die heu­te oft ei­ne re­a­li­täts­fer­ne und dog­ma­ti­sche Ide­a­li­sie­rung des Ei­gen­nut­zes und des Wett­be­werbs ist, wird vom Kopf auf die Fü­ße zu stel­len sein.

Vie­le An­nah­men der vor­herr­schen­den Main­stre­am­-­Öko­no­mik wer­den durch die Co­ro­na­-­Pan­de­mie und die Er­d­er­wär­mung glei­cher­ma­ßen fun­da­men­tal in Fra­ge ge­stell­t. Da­zu ge­hö­ren nicht nur die weit­ge­hen­de Igno­ranz ge­gen­über pla­ne­ta­ren Gren­zen und das Be­schwö­ren von in­di­vi­du­el­ler Nut­zen­ma­xi­mie­rung als höchs­ter Form ra­ti­o­na­len Han­delns, son­dern auch die An­nah­me, ei­ne im­mer wei­te­re Ver­tie­fung der in­ter­na­ti­o­na­len Ar­beits­tei­lung mit im­mer grö­ße­ren Un­ter­neh­men so­wie im­mer län­ge­ren und kom­ple­xe­ren Lie­fer­ket­ten sei gut für al­le.

Dass es nicht nur „e­co­no­mies of sca­le“ gib­t, al­so öko­no­mi­sche Grö­ßen­-, Spe­zi­a­li­sie­rungs- und Glo­ba­li­sie­rungs­vor­tei­le, son­dern auch „di­se­co­no­mies of sca­le“, al­so ent­spre­chen­de Nach­tei­le, ist in der so­zi­a­l­-­öko­lo­gi­schen Dis­kus­si­on schon lan­ge ein fest eta­blier­tes The­ma. So wer­den un­ge­rech­te und öko­lo­gisch schäd­li­che Welt­wirt­schaftss­truk­tu­ren zum Nach­teil der Süd­he­mi­sphä­re eben­so in­ten­siv kri­ti­siert wie aus­ufern­de Ver­kehrs­s­trö­me am Him­mel und auf den Welt­mee­ren.

Die Co­ro­na­-­Kri­se macht nun auf ih­re Wei­se deut­lich, wie ver­letz­bar Staa­ten sin­d, wenn Not­wen­di­ges ein­sei­tig aus fer­nen Quel­len oder gar von Mo­no­po­len be­zo­gen wer­den muss oder im Kri­sen­fall ganz weg­fäll­t. In den USA hat der Prä­si­dent be­reits kriegs­wirt­schaft­li­che In­stru­men­te ak­ti­vier­t, um Au­to­mo­bil­kon­zer­ne zur Pro­duk­ti­on von feh­len­den Be­at­mungs­ge­rä­ten zu zwin­gen.

Se­lek­ti­ve De­-­Glo­ba­li­sie­rung und ge­ziel­te Re­-­Re­gi­o­na­li­sie­rung wer­den in Zu­kunft wich­ti­ge Bau­stei­ne ei­ner Öko­no­mie der Nach­hal­tig­keit sein, um Ver­letz­bar­keit und ab­rup­te Stö­run­gen der Lie­fer­ket­ten zu re­du­zie­ren und so die Ro­bust­heit („Re­si­li­enz“) des Ge­samt­s­ys­tems zu er­hö­hen. Da­bei wird es nicht um rei­nes Aut­ar­kie­stre­ben ge­hen kön­nen, son­dern um mehr Au­to­no­mie, al­so um ei­ne Ver­schie­bung der Ge­wich­te von Fremd­ver­sor­gung zu Ei­gen­ver­sor­gung. Auch dies hat prak­ti­sche Kon­se­quen­zen für vie­le Po­li­tik­fel­der: Die re­gi­o­na­le Land­wirt­schaft ist zu stär­ken, die Stadt­-­Lan­d­-­Ko­ope­ra­ti­on zu ver­bes­sern, die Nut­zung der Au­to­bah­nen als rol­len­de Wa­ren­la­ger für die Just­-­in­-­Ti­me­-­Pro­duk­ti­on der Fa­bri­ken zu­rück­zu­drän­gen, die Wirt­schafts­för­de­rung auf ei­ne Er­hö­hung inn­er­re­gi­o­na­ler Pro­duk­ti­ons­ver­fech­tun­gen und Kreis­l­auf­wirt­schaft aus­zu­rich­ten und das Bank­we­sen auf die Un­ter­stüt­zung de­zen­tra­ler Wert­schöp­fungs­stra­te­gi­en zu ori­en­tie­ren.

Was ges­tern noch fern schie­n, kann mor­gen schon hier sein: Glo­ba­le Ver­ant­wor­tung in der Post­-­Co­ro­na­-­Welt­ord­nung

Aus ei­ner Nach­hal­tig­keits- und Ge­rech­tig­keits­per­spek­ti­ve ver­bie­tet es sich zu­gleich, aus der Zu­nah­me glo­ba­ler Pro­ble­me wie Pan­de­mi­en und Kli­ma­ex­tre­men dau­e­r­haf­te Ab­schot­tungs­stra­te­gi­en her­zu­lei­ten. Die ge­gen­wär­ti­ge Re­nais­sance des Na­ti­o­na­len, die zur Be­kämp­fung der Co­ro­na­-­Kri­se viel­leicht tem­po­rär ih­ren Sinn ha­ben mag, soll­te nicht zum neu­en Stan­dard wer­den. Im Ge­gen­teil, die Staa­ten­welt brauch mehr Ko­ope­ra­ti­on und bes­se­re in­ter­na­ti­o­na­le Ver­trä­ge.

Ab­ge­se­hen da­von, dass die Be­a­r­bei­tung glo­ba­ler Pro­ble­me mul­ti­la­te­ra­le Ko­ope­ra­ti­on nach­ge­ra­de er­zwing­t, wä­re es be­son­ders für die Län­der der Süd­he­mi­sphä­re ei­ne düs­te­re Per­spek­ti­ve, wür­den die In­dus­tri­e­staa­ten nun auf Ab­schot­tung, Aut­ar­kie und Aus­gren­zung set­zen. In den so­ge­nann­ten Ent­wick­lungs­län­dern ist der An­teil de­rer, die ge­gen­über Kli­ma­wan­del, Pan­de­mi­en und an­de­ren Ka­ta­s­tro­phen be­son­ders sen­si­bel sin­d, sehr hoch. Die Ar­men lei­den am stärks­ten.

Die Pro­ble­me der Welt, die die In­dus­tri­e­staa­ten zu ei­nem gu­ten Teil über ko­lo­ni­a­lis­ti­sche Spät­fol­gen, un­ge­rech­te Welt­wirt­schafts­be­zie­hun­gen oder geo­po­li­ti­schen Ego­is­mus mit­ver­ur­sacht ha­ben, kön­nen sie sich nicht durch ho­he Grenz­zäu­ne vom Lei­be hal­ten, je­den­falls nicht auf Dau­e­r. Die mo­men­tan im me­di­a­len Wind­schat­ten lie­gen­de Flücht­lings­kri­se an der EU­-­Au­ßen­gren­ze in Grie­chen­land zeigt das sehr deut­lich. Sie wird durch Weg­schau­en nicht ein­fach ver­schwin­den.

So öko­lo­gisch sinn­voll es al­so ist, die an vie­len Stel­len über­trie­be­ne Ver­tie­fung der welt­wirt­schaft­li­chen Ar­beits­tei­lung zu­rück­zu­schrau­ben, so not­wen­dig ist es zu­gleich, am Ziel ei­ner Schaf­fung fai­rer und nach­hal­ti­ger Welt­han­delss­truk­tu­ren fest­zu­hal­ten. Auch hier hat die Po­li­tik nach hof­fent­lich bal­di­ger Über­win­dung der Co­ro­na­-­Kri­se ein über­vol­les Auf­ga­ben­heft, von ei­nem wirk­sa­men Lie­fer­ket­ten­ge­setz bis zum „Mars­hall­plan mit Afri­ka“, von fai­ren Han­dels­ver­trä­gen bis zum Schutz nach­hal­ti­ger Bin­nen­wirt­schaf­ten vor bil­li­gen Im­port­pro­duk­ten, die auf Öko­dum­ping fu­ßen.

Ei­ne wich­ti­ge Kri­sen­leh­re für die Nach­hal­tig­keit: Sor­ge­ar­beit und Er­werbss­tre­ben gut aus­ba­lan­cie­ren!

Als größ­te Quel­le für ei­ne nach­hal­ti­ge Zu­kunfts­ge­stal­tung könn­ten sich aber die un­mit­tel­ba­ren Kri­sen­er­fah­run­gen selbst er­wei­sen, die Men­schen welt­weit mo­men­tan ma­chen, ne­ga­ti­ve wie po­si­ti­ve. Da­zu ge­hört si­cher die Er­fah­rung von Angst um die Lie­ben und das ei­ge­ne Le­ben, um den Ar­beits­platz oder den ei­ge­nen Be­trie­b, denn Angst ist be­kannt­lich ein sehr star­ker An­trie­b. Da­zu ge­hö­ren aber auch und viel­leicht so­gar vor al­lem das Er­le­ben von Zu­sam­men­ge­hö­rig­keit, Ge­mein­sinn und Zu­wen­dung so­wie die un­frei­wil­li­ge Er­fah­rung von plötz­li­chem Zeitreich­tum so­wie Kon­sum- und Reich­wei­ten­be­schrän­kun­gen.

Es ge­hört zu den po­si­ti­ven Sei­ten der letz­ten Ta­ge und Wo­chen, wie sehr die Wert­schät­zung für die­je­ni­gen ge­wach­sen ist, die durch ih­re Ar­beit die Ge­sell­schaft am Lau­fen hal­ten, ob in Kran­ken­häu­sern, Pfle­ge­hei­men oder Su­per­märk­ten, im öf­fent­li­chen Nah­ver­kehr, im Was­ser­werk oder bei der Müll­ab­fuhr. Wur­de ih­re Tä­tig­keit bis vor kur­z­em kaum wahr­ge­nom­men, so ist nun al­ler­or­ten von „Hel­den des All­tags“ die Re­de. Vor al­lem die Rol­le der über­wie­gend von Frau­en ge­leis­te­ten Sor­ge­ar­beit rückt nun in den Mit­tel­punk­t. Man kann nur hof­fen, dass sich die war­men Wor­te bald auch in den Ge­häl­tern der „Hel­din­nen“ nie­der­schla­gen und im Ge­gen­zug die Be­zü­ge in den Ma­na­ge­men­te­ta­gen auf ein ge­sun­des Maß schrump­fen.

Of­fen­kun­dig wird in der Co­ro­na­-­Kri­se zu­gleich, dass Ei­ge­n­a­r­beit, Fa­mi­lie­n­a­r­beit und eh­ren­amt­li­ches En­ga­ge­ment von vie­len als po­si­tiv er­lebt wer­den, weil sie der Ent­frem­dung der Ein­zel­nen von sich selbst und von ih­rer Mit­welt ent­ge­gen­wir­ken und so­zi­a­le Re­so­nanz­be­zie­hun­gen stär­ken. Zur Wahr­heit ge­hört je­doch auch, dass man­che mit ge­won­ne­ner Zeit, er­zwun­ge­ner Sess­haf­tig­keit und un­frei­wil­li­gem Kon­sum­ver­zicht so ih­re Pro­ble­me ha­ben, wor­auf die Zu­nah­me von häus­li­cher Ge­walt auf trau­ri­ge Wei­se hin­deu­tet.

Ins­ge­samt lässt sich aber mit ho­her Plau­si­bi­li­tät sa­gen, dass bei­de For­men der Sor­ge­ar­beit, die ent­gelt­li­che und die fi­nan­zi­ell nicht ent­gol­te­ne, in ho­hem Ma­ße auch für Stra­te­gi­en der Nach­hal­tig­keit von Be­deu­tung sin­d. Vor al­lem neh­men sie kom­mer­zi­el­len Wachs­tums­druck aus dem Wirt­schafts­sys­tem. Ver­kürz­te Er­werbs­a­r­beits­zei­ten und Gr­und­ein­kom­mens­ele­men­te kön­nen hel­fen, die Zeit­sou­ve­rä­ni­tät der Be­völ­ke­rung zu er­hö­hen und so die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne ge­sun­de Aus­ba­lan­cie­rung von Er­werbs­zei­ten und Ei­gen­zei­ten zu schaf­fen. Gut er­kenn­bar wird in der Kri­se auch: Sinn­stif­ten­de und be­frie­di­gen­de Ar­beit kann Kräf­te frei­set­zen, wenn es dar­auf an­komm­t.

Die Zu­kunft ist of­fen: Lasst uns über sie re­den!

Grund­sätz­lich ist es in die­sen hoch­vo­la­ti­len Zei­ten nicht mög­lich, si­che­re Pro­gno­sen über die Zu­kunft ab­zu­ge­ben. Das gilt auch für die so­zi­a­l­-­öko­lo­gi­sche Trans­for­ma­ti­o­n, vor der wir als Ge­sell­schaft auch nach der Co­ro­na­-­Kri­se ste­hen. Sehr vie­le Fra­gen sind of­fen: Nie­mand kann si­cher wis­sen, ob die Er­fah­rung der er­zwun­ge­nen Suf­fi­zi­enz bei den Men­schen in Zu­kunft eher zu ei­nem Ab­wer­fen von über­f­lüs­si­gem Wohl­stands­bal­last führt oder eher zu ei­ner neu­en Wel­le des Kon­su­mis­mus, ob die neue Ver­traut­heit mit der di­gi­ta­len Welt, die nun im­mer mehr Men­schen im Home Of­fice und auf Vi­deo­kon­fe­ren­zen ge­win­nen, zu we­ni­ger Ver­kehr führt oder zu ei­ner neu­en Hy­permo­bi­li­tät, ob der in der Co­ro­na­-­Kri­se re­ak­ti­vier­te Ge­mein­sinn ein dau­e­r­haf­tes oder ein vor­über­ge­hen­des Phä­no­men sein wird.

Ge­ra­de weil so vie­les of­fen ist, braucht es zur För­de­rung der Nach­hal­tig­keit nicht nur ei­ne hand­lungs­wil­li­ge Po­li­tik und ei­ne trans­for­ma­ti­ons­be­rei­te Wirt­schaft, son­dern auch und ge­ra­de ei­ne wa­che Zi­vil­ge­sell­schaft. Be­nö­tigt wer­den Dis­kurs­räu­me und Re­alla­bo­re in Schu­len und Hoch­schu­len, Un­ter­neh­men und Be­hör­den, Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­ti­o­nen und Stif­tun­gen, in de­nen ge­mein­sam For­ma­te ei­ner zu­kunfts­fä­hi­gen und ge­rech­ten Ge­sell­schafts­ge­stal­tung ent­wi­ckelt und vor al­lem ein­ge­übt wer­den.

Es gil­t, in Zu­kunft wie­der ver­stärkt nach „Drit­ten We­gen“ jen­seits von Staat und Markt Aus­schau zu hal­ten. Denn so sehr es den neo­li­be­ra­len Zeit­geist ei­ner all­um­fas­sen­den Öko­no­mi­sie­rung zu­rück­zu­drän­gen gil­t, so we­nig an­ge­mes­sen wä­re es, nun al­les auf die Kar­te „star­ker Staat“ zu set­zen. Auch die­ser hat, das lehrt die Ge­schich­te, einen Hang zur Über­grif­fig­keit, wo­für das ak­tu­el­le Nie­der­rei­ßen von Schran­ken beim Da­ten­schutz bei­spiel­haft steht.

Wenn die Co­ro­na­-­Kri­se mit ih­ren zwin­gen­den Her­aus­for­de­run­gen über­wun­den ist, soll­ten we­der blin­der Markt­glau­be noch über­trie­be­ner Steu­e­rungs­op­ti­mis­mus zum Haupt­we­sens­zug der so­zi­a­l­-­öko­lo­gi­schen Trans­for­ma­ti­on wer­den, son­dern die Fä­hig­keit zur re­flek­tier­ten, ver­ant­wor­tungs­be­wuss­ten und ge­mein­sa­men Ge­sell­schafts­ge­stal­tung. Wir müs­sen re­den!